Faces of Resistance

Faces of Resistance

Gesichter und Biographien relevanter Figuren des antikolonialen Widerstands

Mistahimaskwa (Big Bear)

(* ca. 1825 in der nähe von Fort Carlton, SK, Kanada; † 17. Januar 1888 am Little Pine Reserve, SK, Kanada)

Mistahimaskwa, auch Big Bear genannt, war ein Häuptling der Plains Cree. Er wurde ab den 1870er Jahren bedeutend, als er die Führung seines Stamms übernahm. Anfänglich war er in Konflikte mit anderen indigenen Stämmen verwickelt, wie z. B. während der Schlacht am Belly River. Er ist vor allem dafür bekannt, dass er sich weigerte, den Vertrag Nr. 6 mit der kanadischen Krone zu unterzeichnen, da er sich für einen umfassenderen Zusammenschluss der Cree und für einen Kampf um bessere Bedingungen in der Siedlung einsetzte. Aufgrund der katastrophalen Lage seines Volkes (Hungersnöte und Krankheiten grassierten) unterzeichnete Mistahimaskwa den Vertrag schließlich 1882, ohne jedoch die von ihm erwarteten Bedingungen zu erreichen. Seine Bande wurde daraufhin mit dem Nordwest-Aufstand von 1885 in Verbindung gebracht, obwohl er sich persönlich um eine friedliche Lösung zwischen den Stämmen und der Regierung bemühte.

 

In der Ausstellung beschäftigen sich die Werke von Tania Wilard und Lawrence Paul Yuxwelptun mit der Kolonialgeschichte Kanadas und dessen First Nations.

Elsa Laula Renberg

(* 29. November 1877 in Tärnaby Schweden; † 22. Juli 1931 in Brønnøy Norwegen)

Elsa Laula Renberg war eine südsamische Schriftstellerin und Aktivistin. Sie stammte aus einer Rentierzüchterfamilie, die in einem Kontext von Konflikten und zivilisatorischen Bemühungen gegen die Traditionen und Werte der Sámi lebte. 1904 wurde Renberg die erste veröffentlichte weibliche Sámi-Autorin, mit dem Pamphlet „Inför lif eller död: Sanningsord i de lapska förhållandena“ („Sind wir tot oder lebendig? Die Wahrheit über die Bedingungen der Lappen“). Sie engagierte sich auch in einer wachsenden sozio-politischen Bewegung, die Themen rund um erweiterte Rechte (in Bezug auf Wahlrecht, Eigentum und Bildung) für die Sámi diskutierte. Renberg war eine der MitorganisatorInnen der Sámi Nationaltreffen von 1917, die die Art und Weise, wie sich die Sámi in Schweden und Norwegen politisch positionierten, veränderte.

In der Ausstellung findet man das Werk von Keviselie, welches der Sámi Kultur und Selbstdeterminierung thematisiert.

Samory Touré

(* ca. 1830, im Kankan Gebiet, heutiges Guinea; † 2. Juni 1900 in der Nähe von Ndjolé, heutiges Gabun)

Samory Touré war ein muslimischer Reformer und Militärführer, der das Königreich Wassouolou in Westafrika gründete und leitete. Um 1867 war Touré Kriegskommandant im Hochland von Guinea. Er erklärte sich selbst zum religiösen Anführer und setzte sich zum Ziel, eine effiziente von modernen europäischen Standards inspirierte Kampftruppe zu bilden und einen neuen Staat zu schaffen. In den 1880er Jahren hatte er seine Herrschaft von einem überschaubaren Gebiet in der Gegend von Kankan auf Gebiete ausgedehnt, die sich von der Region Obervolta im Westen bis Fouta Djallon im Osten erstreckten.

Angesichts seiner expansionistischen Ziele und seiner Rolle als lokaler Anführer widersetzte sich Touré den französischen Ambitionen, in Westafrika ein Herrschaftsgebiet aufzubauen. Er kämpfte erstmals 1883 gegen die Franzosen, als diese Bamako am Niger besetzten. Nachdem die Franzosen 1886 eine erfolgreiche Offensive durchgeführt hatten, akzeptierte Touré ihre Bedingungen, wobei der Niger seine Grenze bildete. Nach den gescheiterten Versuchen, nach Osten zu expandieren, begann er jedoch 1891 erneut einen Krieg mit den Franzosen. Verfolgt von französischen Truppen, wurde Touré am 29. September 1898 am Oberlauf des Cavally-Flusses gefangen genommen. Er starb in der Gefangenschaft in Gabun. Sein Urenkel, Ahmed Sékou Touré, wurde nach der Unabhängigkeit Guineas der erste Präsident und trug dazu bei, das Image seines Vorfahren als Figur des panafrikanischen antikolonialen Widerstands zu festigen.

Zohra Drif

(Arabisch: زهرة ظريف بيطاط,  
* 28. December 1934 in Tiaret, Algerien)

Zohra Drif ist eine algerische Juristin und ehemalige Kämpferin im algerischen Unabhängigkeitskrieg. Während ihres Studiums in Algier hat Drif feministische und antikoloniale Positionen vertreten und sich schließlich der Nationalen Befreiungsfront angeschlossen, um gegen das französische Kolonialsystem zu kämpfen. Sie gehörte zu einem Bombenleger-Netzwerk und war im Alter von 20 Jahren direkt am Bombenanschlag auf das Milk Bar Café im September 1956 beteiligt.

Für diese Tat war Drif 5 Jahre lang im Gefängnis und wurde 1962 im Zuge der algerischen Unabhängigkeit begnadigt. In dieser Zeit schrieb sie über ihre persönlichen Erfahrungen unter dem Titel „Der Tod meiner Brüder“. Danach wurde sie als Kriegsheldin gefeiert und engagierte sich im politischen Leben Algeriens, wobei sie Vizepräsidentin des Nationalrats ernannt wurde. Darüber hinaus galt sie stets als starke Regierungskritikerin und zögert auch heute in ihrem hohen Alter nicht die aktuelle Regierungsführung zu kritisieren.

“I had a profound sense that I was Algerian. I believed that this land was that of our ancestors, and that it was occupied by a people that were strangers. I had the strong feeling that it was our duty to reconquer our country.” – Zitate aus einen 2018 Interview

Lauaki Namulauulu Mamoe

(* unbekannte Datum in Safotulafai, Savai’i Insel; † 14. Dezember 1915 auf Tarawa)

Lauaki Namulauulu Mamoe, auch Lauati genannt, war ein berühmter Redner und der erste Anführer der antikolonialen Bewegung Mau a Pule in Samoa. Die Mau a Pule vertraten Häuptlinge, die gegen den Verlust ihrer traditionellen samoanischen Autorität unter der Kolonialverwaltung unter dem deutschen Gouverneur Wilhelm Solf protestierten. Im Jahr 1908 begannen sie unter der Führung von Lauati erstmals, sich gegen die deutsche Kolonialherrschaft aufzulehnen. Als Folge seiner Aktivitäten wurden Lauati und andere Mitglieder der Mau a Pule 1909 nach Saipan verbannt. Er starb Dezember 1915, ohne jemals nach Samoa zurückgekehrt zu sein.

Während des Ersten Weltkriegs kam Samoa unter die Kontrolle Neuseelands, und die Mau a Pule hielten ihren Widerstand gegen die koloniale Kontrolle aufrecht, indem sie sich in traditionellen Formen der politischen Organisation zusammenschlossen und sich in Gewaltlosigkeit und zivilem Ungehorsam übten. Ab den 1930er Jahren wurde den Samoanern eine breitere Beteiligung an der Verwaltung des Landes gestattet, und schließlich wurde 1962 die Unabhängigkeit von Neuseeland erreicht.

Sarojini Naidu

(* 13. Februar 1879 in Hyderabad, Britisches India – † 2. März 1949 Lucknow, India)

Sarojini Naidu war eine politische Aktivistin, Befürworterin von Bürgerrechten und Frauenemanzipation und eine Schlüsselfigur der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Sie stammte aus einer wohlhabenden bengalischen Familie und studierte in London und Cambridge. Zurück in Indien, schloss sie sich nach der Teilung Bengalens 1905 der Unabhängigkeitsbewegung an und blieb in den folgenden Jahrzehnten eine aktive Kämpferin und Rednerin. 

Sie war eine enge Verbündete von Mahatma Ghandi und wurde zusammen mit ihm und anderen wichtigen Persönlichkeiten der Bewegung für zivilen Ungehorsam und der Quit India-Bewegung mehrfach von den Briten verhaftet, unter anderem 1930 nach dem Salzmarsch. Nach der indischen Unabhängigkeit im Jahr 1947 war sie schließlich bis zu ihrem Tod Gouverneurin der United Provinces (des heutigen Bundesstaates Uttar Pradesh). Neben ihrem Aktivismus war Naidu auch eine hochgelobte Dichterin, deren Werke in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Chief Mkwawa

(* 1855 in Luhota, Iringa Region, Tanganjika – † 19. Juli 1898 in der Nähe von Mlambalasi, Deutsch-Ostafrika)

Mkwawa war ein islamischer Hehe Führer, der Berühmtheit erlangte, als er die deutschen Truppen besiegte und den deutschen Kommissar Emil von Zelewski am 17. August 1891 in Lugalo tötete. Am 28. Oktober 1894 griffen die Deutschen Mkwawas Festung in Kalenga an. Obwohl sie die Festung einnahmen, gelang ihm die Flucht. In der Folgezeit führte Mkwawa einen Guerillakrieg und wurde dabei von den Einheimischen unterstützt, die jede Kenntnis von seinen Aktivitäten leugneten, ihn aber mit Vorräten und Informationen über die deutschen Truppen versorgten. Es gelang ihm, die Deutschen bis 1898 zu belästigen, als er sich am 19. Juli erschoss, um nicht gefangen genommen zu werden.

Nach seinem Tod nahmen deutsche Soldaten Mkwawas Kopf ab. Der Schädel wurde nach Berlin geschickt und gelangte wahrscheinlich in das Übersee-Museum Bremen. Nachdem die Region im Ersten Weltkrieg von den Briten eingenommen wurde, schlug der damalige britische Verwalter von Deutsch-Ostafrika, Horace Byatt, vor, den Schädel nach Tanganjika zurückzugeben, um die Wahehe für ihre Zusammenarbeit mit den Briten während des Krieges zu belohnen und um ein Symbol zu haben, das den Bewohnern das endgültige Ende der deutschen Macht versicherte. Die Rückgabe des Schädels war im Versailler Vertrag von 1919 festgeschrieben und sollte innerhalb der folgenden sechs Monate erfolgen. Allerdings wurde er erst im Juli 1954 zurückgegeben. Der Schädel befindet sich heute im Mkwawa Memorial Museum in Kalenga, Tansania.

Policarpa Salavarrieta

(* wahrscheinlich 26. Januar 1795 in Guaduas, Neugranada – † 17. Novemenber 1817 in Bogotá, Neugranada)

Über das frühe Leben von La Pola und ihr anfängliches Engagement für die antikolonialen Bewegungen in ihrer Heimatstadt Gualduas gibt es nur wenige Informationen. Mitglieder ihrer Familie waren jedoch Revolutionskämpfer in den 1810er Jahren. Nach ihrem Umzug nach Bogotá, wo Salavarrieta nicht als Revolutionärin bekannt war, konnte sie den royalistischen Familien ihre Dienste als Näherin anbieten, um Informationen zu sammeln und die Revolutionäre zu unterstützen.

Nach der Verhaftung der Gebrüder Almeyda und von Alejo Sabaraín, die Informationen hatten, die Salavarrieta implizierten, wurde sie als Spionin enttarnt und verhaftet. Zusammen mit sieben anderen Revolutionären wurde sie zur Todesstrafe durch ein Erschießungskommando verurteilt. Es heißt, dass sie sich während ihrer Zeit im Gefängnis bis zu ihren letzten Momenten jeglichem Gehorsam oder Duldung gegenüber den Spaniern widersetzte. Seit der kolumbianischen Unabhängigkeit wird La Pola als revolutionäre Heldin verehrt. Im Jahr 1967 wurde der 14. November, der Tag ihrer Hinrichtung, zum „Tag der kolumbianischen Frau“ erklärt.

Josina Machel

(* 10. August 1945 in Vilanculos, Mosambik – † 7. April 1971 in Dar es Salaam, Tansania)

Josina Machel war eine Schlüsselfigur im antikolonialen Kampf für die Unabhängigkeit Mosambiks. Sie wurde in eine Familie hineingeboren, die sich schon immer gegen die portugiesische Kolonialisierung ausgesprochen und im Verborgenen Widerstand geleistet hatte, und sie engagierte sich bereits während ihrer Schulzeit in antikolonialen Organisationen. Nach einem ersten gescheiterten Versuch gelang es ihr 1965, Mosambik zu verlassen und sich der Mosambikanischen Befreiungsfront (FRELIMO) anzuschließen, die ihren Sitz in Tansania hatte.

Ihr Engagement in der FRELIMO umfasste sowohl soziale und pädagogische Initiativen als auch politische und militärische Aktionen. Frauen in der FRELIMO spielten eine Rolle in den Verteidigungslinien, bei der Sicherstellung von Versorgungslinien und bei der Organisation der befreiten Gemeinden. Machel spielte eine zentrale Rolle bei der Einrichtung von Versorgungsstrukturen für Kinder, als sich die Frauentruppe zu einem umfassenderen Sozialdienstprogramm entwickelte.  Sie gewann in der Organisation zunehmend an Bedeutung und wurde zu einer Verfechterin der vollständigen Integration von Frauen in den Befreiungskampf.

1969 heiratete sie Samora Machel, eine weitere Schlüsselfigur der FRELIMO und späterer Präsident von Mosambik, und Ende des Jahres bekamen sie ein gemeinsames Kind. Nach ihrer Krebsdiagnose blieb sie aktiv und reiste durch Mosambik, um Aktivitäten zu planen und die soziale Lage zu beurteilen. Machel hörte erst kurz vor ihrem Tod im Alter von 25 Jahren auf zu arbeiten.